Erinnerungen von Ewald Stork im Januar 2008

 

 

 

 

 

Ein kurzer Überblick über die ersten Jahre des Modellsportvereins Oberhausen

 

 

 

 

 

Im Jahre 1961 haben 15 junge Männer den Flugmodellsport ins Leben gerufen. Auf einer Wiese zwischen Oberhausen und Rheinhausen neben einer Viehweide haben sie wieder mit Modellflug begonnen.

 

Nach einem Jahr wurde nach einem neuen Platz gesucht wo man weiter von den Häusern und der Straße weg war. Eine Wiese wurde gepachtet - sie lag weit weg von den Häusern und dem Verkehr (beim heutigen Freizeitgebiet). Hier konnten wir ungestört unserem Hobby nachgehen. Die Modellbaufreunde haben sich bis 1963 auf rund 20 – 25 Idealisten erhöht und man trug sich mit dem Gedanken einen Verein zu gründen.

 

Im Februar 1964 wurde im Gasthaus „Zur Rose“ der Modellsportverein Oberhausen von folgenden Mitgliedern gegründet: Walter Zieger, Ludwig Weser, Willi Gäng, Willi Feuerstein, Josef Becker, Erich Bartsch, Günther Jüngling Karl Werle, Ewald Stork, Markus Manserer, Kurt Armbrust, Alfons Feuerstein, Kurt Scheurer, Hans Semmler, Edwin Auer, Karl-Heinz Kraus, Helmut Feuerstein, Ernst Kullmann, Karl-Heinz Ripplinger, Josef Heußler und Rolf Machauer.

 

 

 

Die erste Vorstandschaft bestand aus:

 

1. Vorstand: Karl Werle

 

2. Vorstand: Walter Zieger

 

Schriftführer: Willi Feuerstein

 

Kassier: Ludwig Weser

 

Beisitzer: Günther Jüngling und Kurt Armbrust

 

 

 

Im Jahr 1964 wurde der Verein beim Amtsgericht Philippsburg eingetragen.

 

 

 

Auf unserem neuen Modellflugplatz haben wir uns mit der Zeit eine kleine Hütte von 4 x 3 m² gebaut, um bei Regen ein Dach überm Kopf zu haben.

 

Aber 1964 mussten wir wegen der Kiesausbeute unseren Platz wieder räumen. Wir haben von der Gemeinde unser jetziges Gelände gepachtet, welches ziemlich verwildert war und auch so aussah. Unsere Hütte haben wir auf einen Schlitten aus Balken gesetzt und mit einem Traktor rund 1000 Meter über Stock und Stein an unseren neuen Platz transportiert.

 

Die Hütte ist noch vorhanden, es ist der Teil, wo heute der Öltank steht.

 

Mit 5 Mann haben wir 3 Wochen Urlaub genommen. Das waren Edwin Auer, Willi Feuerstein, Heinz Nissel, Günter Jüngling und Ewald Stork. Ein Bauer hat uns seinen Hacko mit Messerbalken zur Verfügung gestellt, um das 2 – 3 m hohe Schilf, Disteln und Hecken zu entfernen. Jeden Tag nach Feierabend kamen die andern Mitglieder um die riesigen Mengen Schilf auf Haufen zu schichten und zu verbrennen, was heute unmöglich wäre. Jeden Mittwoch und Samstag war Arbeit angesagt um den Platz nach unseren Wünschen herzurichten. Mittwochs nach der Arbeit, welche immer bis zur Dunkelheit ging, wurde dann in der kleinen Hütte ein Vesper gemacht für das jeden Mittwoch ein anderer zuständig war. Bei Petroleumlicht wurde gegessen und die Arbeit für Samstag besprochen. So ging gut ein Jahr mit viel Arbeit und wenig fliegen herum. Geflogen wurde in dieser Zeit nur sonntags, da unter der Woche immer gearbeitet wurde.

 

Bald wurde uns die kleine Hütte zu klein und wir kamen auf den Gedanken uns ein kleines Clubhaus zu bauen. Willi machte einen Plan und stellte das Material zusammen. Wir haben unter uns eine Sammlung gemacht, um das Material bezahlen zu können. Es ging noch gut ein halbes Jahr herum, bis wir genügend Geld beisammen hatten, um Bretter und Rahmen zu kaufen.

 

Ab 1.3.1966 haben wir bei Ludwig Weser in der Scheune angefangen, die einzelnen Teile zusammen zu bauen.

 

Am 5.3.1966 haben wir das Fundament für das Clubhaus betoniert. Die Stahlmatten bekamen wir kostenlos von der Firma Kullmann in Rheinhausen, den Kies vom Kieswerk Rothardt und den Zement von Vereinskamerad Erich Scheurer – alles kostenlos. Am 19.3.1966 wurden die fertigen Teile morgens um 7.00 Uhr beim Ludwig auf einen Hänger geladen und zum Flugplatz gefahren. Um 6.00 Uhr abends stand das Clubhaus da, es hat nur einen kleinen Unfall gegeben: Siegfried fiel die Wasserwaage herunter und genau auf eine Flasche Schnaps, die wir nach getaner Arbeit trinken wollten – da blieb uns nur noch der Duft des Schnapses erhalten.

 

Unter der Türschwelle haben wir eine Flasche mit den Namen der Mitglieder einbetoniert.

 

Das Holz für das Dach hat uns das Zimmergeschäft Gustav Zieger aus Oberhausen kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Im Jahr 1973 haben wir auch den Parkplatz  mit Birken bepflanzt, sowie von der Straßenseite die Buchenhecke angelegt (die Straße war aber in dieser Zeit ein Feldweg).

 

Im Mai bekamen wir eine Anzeige vom Hauptwachmeister Schneider, da wir das Clubhaus ohne Genehmigung gebaut hatten. Am  15. Juni war vor dem Amtsgericht Philippsburg die Verhandlung. Von 120,00 DM Strafe konnte unser damaliger 1. Vorstand Walter Zieger auf 50,00 DM herunterhandeln.

 

Im Jahr 1964 haben wir die erste Modellausstellung im Gasthaus zum Löwen abgehalten. Bis 1968 wurde im Löwen jedes Jahr eine Modellausstellung gemacht.

 

 

 

Nun ein paar Anekdoten aus der Anfangszeit:

 

Siegfried Scheurer flog einen Segler - nachdem die Anlage ausfiel -  bis nach Lingenfeld in der Pfalz. Da wir in jedem Modell die Anschrift eingeklebt hatten, hat er das Modell sogar wieder erhalten.

 

Ludwig Wesers Flieger flog bis nach Weinheim, bei einem Schrotthändler konnte auch er das Modell wieder abholen.

 

Heinz Nissel flog nach einem Ausfall bis nach Malsch mit seinem Modell Caravelle. Das Modell landete im Garten eines Zahnarztes, 5 m vor einer großen Fensterscheibe. Auch er hat sein Modell wieder bekommen.

 

Das waren so die größten Ausreißer in der Anfangszeit.

 

Im Frühjahr 1968 haben wir neben dem Clubhaus ein Sicherheitsgestell aus Stahlrohr gebaut und mit Stahlmatten von oben abgedeckt, um die Zuschauer vor Schaden zu bewahren, da immer wieder Abstürze zu verzeichnen waren. Die ersten Fernsteueranlagen waren doch noch nicht so gut wie die heutigen. Auch die Piloten waren noch nicht die besten und man ging oft mit einem Bruch nach Hause, um wieder eine Woche an dem Modell zu flicken um am Sonntag wieder fliegen zu können.

 

Bis 1968 wurde der Flugplatz mit einem Traktor gemäht und das Heu mit einem großen Rechen, den wir hinter den Traktor hängen konnten, zusammen gemacht und verbrannt. Die Modelle wurden in dieser Zeit alle von der Hand gestartet, da das Gras immer gut 10 cm hoch war.

 

In dieser Zeit hat auch das Vereinsleben eine schöne Zeit gehabt. Am 1. Mai haben wir ein Spanferkel an einem Drehgrill gegrillt, was immer ein fröhliches Ereignis war. Und am Vatertag hat Erich Scheurer einen Supergulasch gemacht.

 

Im Jahr 1968 hat Waghäusel angefangen sein Schwimmbad zu bauen. Die Firma Lanz aus Mannheim hat zum planieren und ausheben die Maschinen zur Verfügung gestellt. Herbert Fuchs (auch Modellflieger) war der Fahrer für diese Maschinen. Da unser Platz von der heutigen Startbahn 80 cm tiefer lag, hat sich Herbert bereit erklärt, uns samstags das Gelände zu planieren. Samstags kam Herbert mit seiner Maschine an, die wie ein großer Hobel wirken soll, aber das Gelände bei uns war halt nicht wie in Waghäusel, wo alles Sand war. Der Lehmboden bei uns hat ganze Rollen Boden herausgerissen und die Maschine hochgehoben. Herbert musste die Arbeit einstellen um den Schaden nicht noch größer zu machen. Wir haben daraufhin den Kieswerkbesitzer gebeten, uns das Gelände aufzufüllen, was er auch getan hat. Der Raupenfahrer Kurt Becker vom Kieswerk hat die vielen LKW Fuhren Grund eben geschoben und planiert. Der Landwirt Hugo Dietz hat uns das ganze Gelände gefräst  damit wir es mit Rasen einsähen konnten. Die Feuerwehr in Oberhausen hat mehrmals Freitags nach der Probe den Rasen mit Wasser gesprengt. Als Rasenmäher haben wir von den Amis die Spindelmäher gekauft die heute noch ihre Dienste tun. Walter Zieger hat uns einen alten Opel als Zugmaschine zur Verfügung gestellt, der nicht mehr dem TÜV entsprach. Nach einem Jahr mussten wir uns einen alten Traktor kaufen, da der Opel nicht mehr ging.

 

Im Jahr 1971 wurden auch der Geräteschuppen und die Toilette gebaut.

 

1969 – 1972 fanden unsere Ausstellungen im Gasthaus „Zur Einigkeit“ statt, 1974-1976 in der Turnhalle.

 

In dieser Zeit haben wir auch am Nord-Badischen Vergleichsfliegen teilgenommen. Das waren die Modelsportvereine Mannheim, Weinheim, Heidelberg, Hockenheim und Oberhausen. Bei diesen Wettbewerben war Oberhausen immer mit den meisten Telnehmern vertreten und holte auch viele Preise und Urkunden. 

 

1973 haben wir die Startbahn gebaut. Die Firma Decker aus Schwetzingen hat uns die Maschinen zur Verfügung gestellt. Durch den Bau der Startbahn haben wir auch Bundesliga-Wettbewerbe im Modellflug ausrichten können was unsere Mitglieder Kurt Scheurer Bertram Lossen sehr zu schätzen wussten. Bert war 7 mal Deutscher Meister im Kunstflug, bei der Weltmeisterschaft 1983 in Florida Vizeweltmeister und 1986 Europameister, Kurt Landesmeister von Rheinland-Pfalz. Bertram musste 1994 aus beruflichen Gründen seinen Wohnsitz nach Lörrach verlegen und hat somit den MSV verlassen.

 

Der Baggersee ging 1973 bis zum Anfang der heutigen Ziegenweide. Das Wasser stand 2 m tiefer als der Flugplatz. Das eine oder andere Model hat in dieser Zeit auch schwimmen gelernt. Mit der Zeit wurde das Gelände bis zum ehemaligen Surferparkplatz aufgefüllt. In dieser Zeit versuchte der Besitzer des Kieswerkes auch den Modellflugplatz auszubaggern. Heinz Geiss kam dazu wie am unteren Ende der Raupenfahrer angefangen hat abzuschieben. Er stellte sich mit seinem Auto vor die Raupe damit der Fahrer gezwungen war aufzuhören. Unser damaliger Vorstand Kurt Scheurer kam dazu und holte sofort den Bürgermeister Leier um die Arbeit einstellen zu lassen, da keine Genehmigung von der Gemeinde vorlag.

 

1981 haben wir die Halle neben dem Clubhaus gebaut. Durch unser Mitglied Karl Held der bei der Baufirma Decker in Schwetzingen arbeitete, wurden uns die Maschinen mit Personal zur Verfügung gestellt. Die Arbeit dauerte bis in die späte Nacht, mit Autolicht wurde die Arbeit beendet, was auch heute noch von großem Vorteil bei Veranstaltungen und auch das Jahr durch ist. Bei jedem Regenschauer musste man die Modelle abdecken was jetzt nicht mehr der Fall ist.

 

Nun ein paar Jahre über das Vereinsgeschehen:

 

1975 hat die amerikanische Nationalmannschaft im Modellkunstflug für die Weltmeisterschaft in Bern bei uns trainiert. Die Ami wurden in der Mannschaft Erster und im Einzel wurde David Brown Dritter. Für diesen Erfolg haben sie ein Glückwunschschreiben aus Oberhausen bekommen.

 

Am 19.5.1975 haben wir bei den Fallschirmjägern in Bruchsal auf dem Eichelberg unser Können gezeigt. Die Fallschirmspringer haben uns bei unseren Flugtagen unterstützt.

 

Am 24.8.1975 waren wir beim Großflugtag in Hockenheim mit 6 Mann dabei.

 

Den Großflugtag in Linkenheim haben wir 1971 und 1975 mit 10 Modellen besucht und teilgenommen.

 

1978 – 1980 haben wir im Möbelhaus Südema (heute Roller) je eine Modellausstellung zu Wege gebracht.

 

Unser Modellflugplatz wurde 1973 vom Regierungspräsidium in Karlsruhe genehmigt. Das Modellbootfahren auf dem Ehrlichsee im begrenzten Raum wurde durch Rücksprache von Ewald Stork und dem Vorstand des Angelsportvereines erlaubt, aber nur Segel- oder Elektroboote.

 

Jeder Verein braucht Jugend so auch der MSV. In diesem Sinn startete der Modelsportverein 1981 in der Hauptschule Oberhausen eine Aktion mit Plakaten und Flugblättern. Das Echo war groß, es meldeten sich gleich 6 Jugendliche. Eine Woche später wurde vom Jugendleiter Jürgen Stork in der Werkstatt seines Vaters mit dem Bau des kleinen Uhu begonnen. Mit der Zeit hat sich die Zahl der Jugendlichen auf 15 erhöht und man brauchte einen größeren Werkraum. Jürgen Stork sprach beim Schuldirektor vor, um einen Raum in der Schule zu bekommen, was ihm jedoch zuerst verweigert wurde. Erst mit Hilfe von Bürgermeister Leier geklang es, ihm einen leerstehenden Kellerraum in der Schule zu bekommen. Jetzt ging die Arbeit erst richtig los: Werkbänke und Regale wurden von Jürgen und Ewald Stork in mühevoller Arbeit hergestellt. Heute ist der Werkraum mit Maschinen und Werkzeug gut ausgerüstet, was am Anfang nicht der Fall war.

 

Der Baggersee ging 1980 bis zum heutigen Bootssteg. Durch den Wellengang bei starkem Wind wurde immer mehr Land weggespült und wir sahen uns gezwungen das Ufer zu befestigen. Ewald Stork hat von der Bundesbahn in Schwetzingen alte Bahnsteigkanten erhalten und wir konnten gut 20 m mit den Betonwinkeln befestigen. Die Betontreppe hat unser Mitglied Bringfried Machozeck vom Betonwerk in Huttenheim erhalten und eingebaut.

 

Im Sommer 1981 war auf unserem Platz eine Großübung von Bundeswehr und Feuerwehr des Kreis Karlsruhe zur Waldbrandbekämpfung. Mit Hubschraubern wurde das Wasser mit großen Behältern aufgenommen und wieder abgelassen.

 

Unser Mitglied Kurt Armbrust hat auf Flugtagen für die Aktion Sorgenkind 4.000,00 DM durch seine Vorführungen mit Wum und Wendelin erzielt.

 

Im Jahr 1983 haben wir den Hallenbau in Angriff genommen. Ewald Stork hat in seiner Firma in Schwetzingen mit Klaus Ebert und Erhard Socke in vielen Stunden das Holz gehobelt, zugeschnitten und gestrichen. Nachdem alles gestrichen war ging es an die Binder fertig zu nageln. Das Fundament für die Halle wurde in der Zwischenzeit auch fertig gestellt. An einem Sonntag wurde vom Bringfried Machozeck das ganze Holz mit einem LKW vom Betonwerk Schneider aus Huttenheim bei der Firma Pfaudler in Schwetzingen abgeholt. Bis abends stand die Halle fertig montiert is auf das Dach. Am nächsten Sonntag wurde das Eternit verlegt und wir waren alle stolz als das Werk beendet war.

 

Unser 25 –jähriges Jubiläum haben wir am 12.-13.3.1988 mit einer großen Modellausstellung in der Schulsporthalle und einem Ehrenabend im Foyer der Halle gefeiert. Zu diesem großen Ereignis wurde die Gemeindeverwaltung sowie die Vorstände der Vereine von Oberhausen und die Vorstände der umliegenden Modelsportvereinen eingeladen. Bei Festreden, gutem Essen und Musik wurde es ein feierlicher Abend.

 

Ab diesem Zeitpunkt haben wir nur noch alle 5 Jahre eine Ausstellung gemacht. Die letzte was zum 35 – jährigen Jubiläum. Ich hoffe, dass die Verwaltung zum 50. Jubiläum wieder eine große Ausstellung zu Wege bringt.

 

Die Landesgartenschau in Ettlingen 1988 haben wir auch mit etlichen  Flugmodellen bereichert.

 

Unser Stromaggregat, das bei Flugtagen immer nicht reichte, wurde durch ein Leihgerät ersetzt. Von der Post haben wir 1988 erfahren, dass in Hochspeyer ein Aggregat zu verkaufen ist. Wir haben uns entschieden, das Aggregat zu kaufen und haben mit 6 Mann samstags das Aggregat ausgebaut und auf einen LKW verladen. Der Raum für das Aggregat hat zuvor Ewald im Alleingang gemauert. Eine Woche später wurde das Aggregat unter Regie von unserem Elektriker Gustav Werner eingebaut.

 

 

 

 

Das sind in kurzen Worten die ersten Jahre des Modellsportvereins Oberhausen, der einen der schönsten Modellflugplätzen von Baden-Württemberg hat. Oberhausen ist in ganz Deutschland bei den Modellfliegern bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit. Heute sind nur noch das Gelände und die Gebäude in Ordnung zu halten, was die heutigen Mitglieder jetzt nutzen können wurde in den ersten 20 – 25 Jahren unter viel Einsatz der Gründungsmitglieder geschaffen. Die wo davon heute noch leben, sind immer noch stolz auf die geleistete Arbeit.